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Bands : Gisbert zu Knyphausen & Band (D)
Slim Cessna's Auto Club (USA)
The Great Crusades (USA)
Madison Violet (CDN)
Golden Kanine (S)
Young Rebel Set (UK)
Tamikrest (MLI)
Miraculous Mule (UK)
Earl Greyhound (USA)
Emily Jane White (USA)
Dan Mangan (CDN)
L/O/N/G (USA/A)/
Marie Fisker (DK)
The Great Bertholinis (D)
Surprise Act (???)
Who Knew (IS)
Talking To Turtles (D)
C-Types (D)
Rocco Recycle (D)
Christina Bacher (D) - Lesung/ Info : Unvergleichlich. Unbeschreiblich. Das beste kleine Open-Air Festival.
Das Orange Blossom Special ist ein schmuckes, kleines, dreitägiges Open Air Musikfestival. Es existiert seit 1997 und wird von Glitterhouse Records veranstaltet, einem nicht minder schmucken, kleinen Tonträgerunternehmen. Im firmeneigenen Garten in Beverungen (einer - man ahnt es - schmucken Kleinstadt im Weserbergland) finden immerhin knapp 2000 Menschen Platz. Ist schön hier. Wirklich.
Gezeltet wird am Weserufer, geduscht im Sportheim des örtlichen Tennisclubs. Der kleine Ort vibriert dank des OBS, wirkt beseelt und lebendig. Weit beseelter und lebendiger noch wirkt allerdings das kleine Paralleluniversum des OBS selbst. In einem von Bäumen umstandenen Garten, mitten in einem Misch-Gewerbegebiet, ist für drei Tage die Schwerkraft aufgehoben.
Das qualitativ stets hochwertige internationale Programm umfasst Indie-Rock, Americana, Indie-Pop, Rock, oder wie auch immer man das nennen mag. Aber auch schrägere Versionen/Visionen all dessen. Oder Lesungen. After-Show Parties. Eine Warm-Up-Party. Eine Stadtführung. Ein Sandkasten für die Kleinen. Bewusst werden bei Großveranstaltungen sonst übliche Ärgernisse außen vor gelassen: Es gibt hier so viele Toiletten pro Kopf wie sonst nirgends, die darüber hinaus regelmäßig geleert und gesäubert werden. Auf übertriebene Leibesvisitationen wird verzichtet. Die Verzehrpreise sind moderat. Die PA-Anlage und das bedienende Personal genügen höchsten Ansprüchen. Musiker stehen mitten im Publikum, um die Auftritte anderer Bands zu genießen. Es gibt keine umgekippten Dixi-Klos, keine brennenden Zelte, keine Müllberge, keine Aggressivität, keine Horden marodierender Tunichtgute, keinen Graben zwischen Bühne und Publikum. Ich behaupte, dass es bei uns kuschelig ist. Es herrscht eine sehr familiäre, respektvolle Atmosphäre. Musiker, Publikum und Personal sind eine Einheit. Nicht zuletzt, weil wir selbst, unter weitestgehendem Verzicht auf externe Dienstleister, fast sämtliche Arbeiten selbst verrichten, ist dem Publikum offensichtlich, dass jedes Detail liebevoll gehandhabt wird. Niemand von uns ist sich zu schade für den Hygienedienst, das Aufräumteam oder die Parkeinweisung. Die Auswahl der auftretenden Bands bedeutet uns selbst viel. Wir vertrauen darauf, dass das dem Publikum ähnlich geht. Und das Publikum ist das Beste der Welt: Jede Band, sei sie auch vorher noch so unbekannt, wird von fast allen Festivalbesuchern mit Spannung erwartet. Dementsprechend ist das Gelände bereits mittags gefüllt. Die Zeltwiese am Weserufer, wirklich malerisch gelegen, sieht nach dem OBS aus wie vorher. Es braucht gerade vier Leute, die nach Abreise der Festivalgäste etwa eine Stunde dort aufräumen – und das Gelände sieht aus, als sei nichts gewesen. Es gab auch noch nie noch eine Schlägerei. Daraus spricht Respekt aller Beteiligten untereinander.
Musiker aus aller Herren Länder geben sich ein Stelldichein auf einer für Festival-Verhältnisse eher bescheiden dimensionierten Bühne. Sie bieten Musik, die sich bewusst abseits des Mainstreams positioniert. Die Programmzusammenstellung gibt teils bereits bekannteren Größen des Planeten Indie, teils noch weitgehend unbekannten, aber entdeckenswerten Musikern eine Plattform. Es ist fast unmöglich, jedem Besucher 20 Bands zu präsentieren, die ihm alle gefallen. Aber es ist unser Ehrgeiz, dem nahe zu kommen. Was bedeutet, dass wir Musiker verschiedener Musikstile präsentieren, die jedoch alle gewissen Ansprüchen unterliegen: Es sollte originell, mitreißend, begeisternd sein. Hier funktioniert Live-Musik als Welterklärungsmuster noch, hier darf man sich ganz ohne übertriebenes Hippie-Hippie-Esoterik-Gedöns für drei Tage wie auf einem anderen Planeten fühlen.
Es geht um Live-Musik, die unser aller Leben größer und weiter macht. Um Auftritte, die besonders intensiv, besonders spannend, besonders überraschend, besonders Seelen tröstend, besonders aufwühlend oder einfach... besonders sind. Um Publikumsreaktionen, die aufbauen und anspornen.
Es wäre allerdings vermessen, die Sause am Weserufer lediglich durch ihr Programm begreifen zu wollen.
Es herrscht eine Atmosphäre, wie sie in dieser Form bei Open-Air-Festivals seltener ist als hochgeklappte Klobrillen auf öffentlichen Damentoiletten. Das aus ganz Deutschland und Europa anreisende Publikum des von Kennern salopp OBS genannten Happenings empfindet und feiert ein besonderes Gemeinschaftserlebnis. Es trotzt teils widrigsten Wetterbedingungen, ist stets offen und dankbar. Es feiert die Künstler und sich selbst in einer fried- und freudvollen Parallelwelt. Es geht um den besonderen Geist des OBS, den in Worte zu fassen ein hoffnungsloses Unterfangen ist. Es ist, nun ja, freundlich, heimelig, unterhaltsam, spaßig und integrativ. Es ist ein Genuss.
Das OBS ist wunderschön. Sagen nicht nur wir, sagt nicht nur das Publikum, sagt nicht nur der WDR-Rockpalast, der das zehnjährige OBS-Jubiläum zum Anlass nahm, ein OBS-Special auszustrahlen - nein, das sagen auch alle auftretenden Künstler. Nur einige Beispiele:
"Sag mal, dürfen wir hier jetzt jedes Jahr spielen? Bitte!" (Sport)
"This is the best festival ever. Ever! Ever!" (Irving)
"Wow, this is really special! I loved every second of it." (Andrew Bird)
"Fantastic festival. Have us again this year, please." (The Miserable Rich)
"You can't compare this to any other festival in the world. This is special for everybody. It's a pleasure to be here." (Chris Eckman, The Walkabouts, Dirtmusic)
Auch einige der alljährlich dem OBS zugeordneten Mottos bringen die Veranstaltung recht gut auf den Punkt: "It's A Big Sweet Life", "It's Your Universe", "Da hinten wird's hell!" oder "...das kann man nicht twittern".
Vielleicht am besten schafft es aber das Motto, das für das OBS 15 ausgewählt wurde:
"You're at home, baby!"
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